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Field Notes
Seasons: Fall

Jeder Job ist ein neues Abenteuer: Matthew und Timbers Leben im Wald

Für viele Hunde ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, welche Aufgaben sie übernehmen. Timber lebt schon sein ganzes Leben gemeinsam mit seinem Menschen Matthew Gamlen auf einem über 40 Hektar großen Grundstück am Rand des Mount Hood National Forest. Tannen und Hemlocktannen wachsen dort so dicht, dass es an manchen Stellen selbst mittags noch dunkel bleibt. Der nächste Nachbar wohnt etwa einen halben Kilometer entfernt, und an den meisten Tagen erinnert nur gelegentlicher Vogelgesang zwischen den Bäumen daran, dass es noch anderes Leben gibt – neben den Rehen, Wapitis und anderen Wildtieren, die durch das Gelände ziehen.

Mit seinen zwei Jahren lernt Timber diese Wälder immer besser kennen und begleitet Matthew bei jeder Aufgabe, die ansteht – und auf einem Anwesen wie diesem gibt es fast jeden Tag etwas zu tun. Dabei ist er in mehr als einer Hinsicht unverzichtbar und leistet, wie die meisten Hunde, weit mehr als nur moralische Unterstützung.

„Timber hält Bären und Pumas auf Abstand“, sagt Matthew. „Er ist genau der Begleiter, den ich gesucht habe.“

Matthew and Timber sit by the barn.

Wer so abgelegen und weit entfernt von anderen Menschen lebt, profitiert von einem Hund, der aufmerksam bleibt und Wapitis, Schwarzbären, Pumas und Rotluchse im Blick behält – schließlich gehören auch sie zu den Bewohnern des Grundstücks. Timber ist für diese Aufgabe wie gemacht. Er hat ein beinahe übernatürliches Gespür für Wildtiere und will ihnen nichts Böses – allein durch seine Präsenz sorgt er jedoch dafür, dass sie einen sicheren Abstand halten. Und er hat genug Energie und Tatendrang, um jederzeit aus dem Tiefschlaf aufzuschrecken, sobald seine Hilfe gebraucht wird.

„Er zeigt keinerlei Aggression gegenüber Menschen oder Tieren. Ich scherze immer, dass er keinen Jagdtrieb hat – sondern einen Spieltrieb.“

Timber brings his head up the Matthews knee on the gaiter.

Leben mit dem Wald

Ein Grundstück wie dieses steht nie still. „Oft fühlt es sich so an, als müsste man verhindern, dass der Wald das Haus verschlingt“, sagt er. Mehrmals in den meisten Wintern stürzen Bäume auf seine rund anderthalb Kilometer lange Schotterstraße. Auch die Straße selbst ist eine Dauerbaustelle: Schotter heranschaffen, Schlaglöcher auffüllen und die Querrinnen erneuern, die verhindern, dass Regenwasser die gesamte Straße wegspült.

„Bäume scheinen es irgendwie zu lieben, quer über die Straße zu fallen. Wenn es ein besonders großer Baum ist, kann das zu einem richtig großen Projekt werden. Dann verbringt man den ganzen Tag nur mit Freiräumen.“
 

Timber liebt solche Tage ganz besonders. Dann läuft er wie ein kleiner Vorarbeiter vor Matthews Traktor her und ist sichtlich begeistert von einer Aufgabe, bei der eigentlich nur seine beruhigende Anwesenheit gefragt ist.

Die täglichen Arbeiten auf einem Grundstück dieser Größe hören nie auf. Allein das Brennholz erfordert kontinuierlichen Einsatz. Matthew verbraucht im Winter sieben oder acht Cord Holz, und für jedes davon muss er ein ganzes Jahr im Voraus planen. Die Bäume müssen gefällt, das Holz gespalten, gestapelt und lange genug getrocknet werden, bevor es gebraucht wird.

Timber runs in front of the gaiter wearing a Lumenglow Vest

„Man muss immer schon eine Jahreszeit weiterdenken“, sagt er.

Matthew baut außerdem Lebensmittel an – Gemüse, das sich leicht anbauen und haltbar machen lässt. Er erntet Kartoffeln sowie Rote Bete und Gurken zum Einlegen und Basilikum, aus dem er Pesto macht. Außerdem hält er Bienen, was für ihn zu den wichtigsten Dingen gehört, die er tut. Diese Lebensmittel sind nicht nur für ihn selbst bestimmt. Sein Pesto und seinen Honig tauscht er bei den Nachbarn gegen Lamm- oder Rindfleisch.

Die perfekte Gesellschaft

Das Grundstück instand zu halten und Lebensmittel anzubauen sind nicht die einzigen Aufgaben, denen Matthew und Timber nachgehen. Matthew arbeitet als Regisseur für Werbe- und Dokumentarfilme. Je nach Tag schreibt er Konzepte, präsentiert Ideen, schneidet Material oder verbringt ganze Nachmittage vor dem Computer.

Die Aufgaben mögen wechseln, doch Timbers Einstellung zur Arbeit und seine Fähigkeit, für Ausgleich zu sorgen, bleiben unverändert. Während Matthew schneidet, liegt Timber zu seinen Füßen und erinnert ihn daran, zwischendurch nach draußen zu gehen und durchzuatmen. Gemeinsam unternehmen sie lange Wanderungen von rund 10 bis 11 Kilometern – manchmal sogar zweimal am Tag.

„Er muss sich bewegen, also bewege ich mich auch. Er braucht Beständigkeit, und dadurch ist man selbst jeden Tag da und schafft diese Beständigkeit auch für sich.“

Timber looks up at Matthew while chopping wood.

Diese Beständigkeit ist wichtiger als alles andere. Wer lange Zeit allein mit seinen Gedanken verbringt, kann sich darin auch ein wenig verlieren. „Hier draußen denkt man, man würde allem entkommen, was einen beschäftigt“, sagt er, „und dann merkt man, dass man selbst die ganze Zeit der gemeinsame Nenner war.“ Ein Hund wie Timber bringt eine verlässliche tägliche Routine mit sich, die sich um Aktivitäten dreht, die Körper, Geist und Seele ganz automatisch guttun.

„In der Natur geht es mir einfach besser. Ich glaube, Timber und ich sind uns da ähnlich – er würde das Leben in einer Stadt nicht mögen, und ich auch nicht.“

Jeden Tag etwas Neues lernen

Mit zwei Jahren entdeckt Timber noch immer Neues in seiner Umgebung und entwickelt sich weiter. Seit er gerade einmal zehn Wochen alt war, begleitet er Matthew auf der Pilzsuche und erkundet den Wald, während die beiden zwischen Schwertfarnen und Weinblatt-Ahorn nach Pfifferlingen suchen.

 In letzter Zeit stellt sich Timber größeren Herausforderungen, zum Beispiel der Aufgabe, sich in der Nähe von Pferden wohlzufühlen. Langfristig soll er entspannt neben ihnen laufen und gehen können, ohne sie zu erschrecken – daran arbeiten die beiden noch.

So nimmt das Leben weiter im Einklang mit den natürlichen Rhythmen des Waldes Gestalt an. Das Land prägt Mensch und Hund gleichermaßen – und beide geben ihm im Gegenzug etwas zurück.

Timber runs by the greenery as Matthew unloads a wheel barrow.