Stille Stärke: Die Geschichte von Lokum und Elif
Hunde waren schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens. Mein erster Hund war ein Bernhardiner namens Minik, was auf Türkisch „der Kleine“ bedeutet. Danach kam Efe, der 16 Jahre lang an meiner Seite blieb, gefolgt von Dost, Can, Çomar und rund 70 weiteren Hunden. Ich weiß, das sind ganz schön viele.

Als Teenager hatte ich meinen ersten Job in einem Tierheim in Istanbul. Dort säuberte ich die Zwinger, führte die Hunde aus und versuchte, ein passendes Zuhause für sie zu finden. Die Hunde, die niemand haben wollte, besonders die alten und kranken, nahm ich mit auf den Bauernhof meiner Familie. Zuerst waren es elf, dann 20 und mit der Zeit immer mehr. Sie alle hatten dort ein schönes Leben.
Später zog es mich weg aus Istanbul. Ich wollte Karriere im Filmgeschäft machen und war die Erste in meiner Familie, die den Schritt ins Ausland wagte. Dort musste ich ganz von vorne anfangen und hatte in meinem neuen Leben keinen Platz mehr für einen Hund. Doch auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat seine Schattenseiten. Vor einigen Jahren durchlebte ich eine sehr schwere Zeit. Ich erinnerte mich daran, wie gut es mir immer getan hatte, Hunde um mich zu haben. Sie hatten mir in dunklen Zeiten einen Lichtblick geschenkt und mir geholfen, wieder in Bewegung zu kommen. Also begann ich, mich darüber zu informieren, wie die Rettung und Adoption von Hunden hier funktioniert.
So kam es, dass ich eines Tages vor einem Wurf Welpen stand, die aus einer Tötungsstation in Mexiko gerettet worden waren. Ich sah sie an, und sie sah mich an. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Sie hatte vor allem Angst, war schreckhaft, aber unglaublich neugierig. Mir ging es ganz ähnlich. Wir brauchten beide viel Geduld. Mein Mann Tyrone und ich sind beruflich ständig unterwegs, deshalb war ein Hund eigentlich nicht geplant. Ich sah ihn an und fragte: „Wie wäre es, wenn wir sie erst mal als Pflegehund aufnehmen, bis sie ein neues Zuhause findet?“ So brachte ich den Stein ins Rollen.
Im Tierheim hatte man sie Sushi genannt. Aber da ich Türkin bin, gab ich ihr den Namen Lokum, nach der kleinen, süßen türkischen Spezialität.
Sie begleitete mich mit in den Schneideraum und schlief auf meinem Schoß, während ich meine Filme schnitt. Dabei veränderte sich etwas in meiner kreativen Arbeit. Ich wurde ruhiger, und auch ihre Angst ließ von Tag zu Tag ein wenig nach. Zwei Wochen später rief das Tierheim an und teilte mir mit, dass jemand sie adoptieren wollte. Ich antwortete schneller als je zuvor: „Oh, Lokum gehört zu mir. Ich werde sie adoptieren.“
Seitdem hat Lokum mich bei zahlreichen Filmproduktionen begleitet. Sie hat mehr Kebabs verputzt, als ein Hund eigentlich sollte, wurde von einer türkischen Familie mit Liebe überschüttet, spielte in Werbespots mit (unter anderem für Ruffwear!) und war als VIP auf Filmfestivals unterwegs.
Doch ihre wichtigste Rolle spielt sie abseits des Rampenlichts

Schon in jungen Jahren musste ich mich mehreren Herzoperationen unterziehen und mit einigen Einschränkungen leben. Glücklicherweise konnte ich micht davon wieder erholen. Doch vor ein paar Jahren verschlechterte sich mein Gesundheitszustand erneut auf besorgniserregende Weise. Dazu kamen Panikattacken, die immer heftiger wurden. Dann kam Lokum in mein Leben.
Sie schafft es, mich selbst an den dunkelsten Tagen vor die Tür zu locken. Ihretwegen wandere ich stundenlang, oft kilometerweit. Denn sie glücklich zu sehen, bedeutet mir alles. So bin ich viel in Bewegung und verbringe unzählige Stunden draußen in der Natur. Sie ahnt gar nicht, wie sehr sie meinem Herzen damit hilft.

Seit Lokum bei mir ist, habe ich einige meiner wichtigsten Projekte verwirklicht: Fotografien, Filme und ein Buch. Unsere Tage sind voller kleiner Rituale, die mir Kraft geben. Jede Nacht schläft sie eng an mich geschmiegt. Sie sitzt am Ufer und beäugt mich aufmerksam, während ich im eiskalten Wasser der Kaskaden schwimme. Und weil ich selbst gerne bunte Kleidung trage, ziehe ich ihr am liebsten ihre pinke Ruffwear-Jacke an. So sind wir überall als farbenfrohes Duo unterwegs. Lokum hat mein Herz auf eine Weise geöffnet, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte.
Sie ist kein Rettungshund, doch auf ihre eigene Art hat sie mich gerettet.